Slowenien soll ein wahrer Musterschüler
sein in der Umsetzung der Marktwirtschaft.
Außerdem, so steht geschrieben, ist
Slowenien das einzige europäische Land
dessen Waldbestand wächst. Ca. 50%
des gesamten Landes sind mit Wald bedeckt
und 63 % davon stehen unter Naturschutz.
Nicht nur das macht dieses kleine mitteleuropäische
Land so reizvoll, sondern auch die damit
in Verbindung stehende Naturbelassenheit.
Ich habe noch kein Land gesehen, das so
viel Naturreichtümer auf so engem Gebiet
konzentriert, wie dieses.
Kaum einer kennt die Julischen Alpen, deren
größter Teil unter Naturschutz
steht, der Triglav-Nationalpark.
Genau dort, nämlich in einem kleinen
Ort namens Studor beginnt unsere Tour. Wir
verlassen über Nebenstraßen die
dörfliche Gegend, fahren durch Bled,
dem wohl bekanntesten Ort, der einige Touristenattraktionen
zu bieten hat. Wir halten uns Richtung italienische
Grenze, umfahren sozusagen das Nationalparkgebiet.
|
Der
Weg führt durch ein weit ausladendes
Tal, linker Hand erhebt sich stolz
und weiß glänzend, zum
Teil schneebedeckt, die Triglavgruppe.
Zwischen Mojstrana und Kranjska Gora
halten wir, um die Stimmung einzufangen
und festzuhalten. Der Triglav mit
seinen 2864 m präsentiert sich
nirgends so gut, wie hier. |
|
 |
Die Grenze nach Italien ist schnell passiert,
ein Kopfnicken, kurzes Registrieren der
persönlichen Dokumente reicht aus und
schon geht es weiter in unser Zielgebiet.
Wir steuern den Predil Pass an, an dessen
Fuß uns der Predil See empfängt.
Kein Hotel, kein Lärm, nur wir und
der See, der von smaragdgrün bis tiefblau
in seiner ganzen Schönheit vor uns
liegt, eingebettet in weiß schimmernde
Kalkalpen. Er lädt zum verweilen ein.
Baden erlaubt und wem tut eine willkommene
Abkühlung nicht gut ?
Wir lassen die Rennstrecke Rijeka rechts
liegen, durchfahren einige Tunnel und stehen
an der Italienisch – Slowenischen
Grenze in gut 1150 m NN. Kurz danach begegnen
uns Zeugnisse längst vergangener Zeiten.
Der Predilpass ist die älteste Verbindung
zwischen der südlichen – adriatischen
und der nördlichen Seite der Alpen.
Napoleons Truppen marschierten bereits Anfang
des 19. Jahrhunderts über diesen Pass.
Sie rechneten jedoch nicht mit der Gegenwehr
Hauptmann Herrmanns. Das dort errichtete
Fort wurde damals nach ihm benannt, jedoch
1915 durch die Italiener zerstört.
 |
Gedenktafeln
und Festungsteile erinnern an diese
Zeit. Ein Halt also, der sich lohnt.
Wir genießen die anschließenden
Kehren und biegen dann ab, um dem
Mangart, wohl eine der schönsten
Höhen dieser Region, einen Besuch
abzustatten. |
|
Die nun folgende Maut - Straße ist
oft von Naturgewalten heimgesucht und Erdrutschen,
Wassereinbrüchen und Unterspülungen
ausgesetzt. Wir wagen den Aufstieg durch
ein paar unbeleuchtete Tunnel, über
Geröll, das auf die Straße gespült
wurde. Die letzten 500 Meter beschreiben
einen Ring, Einbahnschotterpiste, eigentlich
bestens für Enduros geeignet. Aber
uns treibt die Neugier nach oben und belohnt
werden wir mit einem Ausblick, der seinesgleichen
sucht. Die frühsommerliche Flora verwöhnt
uns mit einer bunten Farbenpracht und der
Blick über den Abgrund ins Tal ist
einzigartig schön.
Wir genießen das fantastische Ambiente,
das sich die Natur hier geschaffen hat und
insgeheim freuen wir uns dass aus gutem
Grund kaum Besucher hier oben weilen. Der
Predil Pass mündet in das Socatal,
das wir nur ein kurzes Stück Richtung
Norden begleiten, dann geht es schon wieder
hinauf in den Vrsic Pass, der ein besonderes
Highlight aufweist. Hier, in einer Nebenstraße
findet man nämlich die Socaquelle.
Und wer keine Höhenangst hat und ein
wenig geübt im Hangeln ist, sollte
den Fußmarsch von ca. 20 Minuten ruhig
wagen. Das geht auch mit Bikerkleidung.
Belohnt wird man mit einem Ausblick in eine
wunderschöne Schlucht an deren oberen
Ende direkt aus einem Fels das Wasser der
Soca entspringt.
Der Vrsic wurde 1916 fertig gestellt und
verbindet seither das reizvolle Soca- mit
dem im Norden gelegenen Sava – Tal.
Er fordert und fördert mit seinen Gegebenheiten
alle Bikersinne, denn er birgt die Besonderheit
von verschiedenen Straßenbelägen.
Asphalt wird in den Kehren von Kopfsteinpflaster
abgelöst, das volle Konzentration verlangt.
Jedoch ist auch diese Strecke wenig befahren
und der Fahrspaß kommt auf keinen
Fall zu kurz. Auf unserem Weg nach unten
passieren wir die Ruska Kapelica. Sie wurde
1917 von russischen Kriegsgefangenen für
die unzähligen Opfer, die der Bau des
Passes forderte, als Mahnmal errichtet.
Danach werden die Kurven wieder etwas breiter,
wir passieren im Sava – Tal Krajnska
Gora und fahren entspannt der Heimat entgegen.